Die Zeit von 1995 bis heute

Der Generationswechsel im Amt des Bürgermeisters war erneut mit weitreichenden Veränderungen der politischen Arbeit verbunden. Zunächst gab es bei den Wahlen 1996 eine gravierende Neuerung: Erstmals konnten die Einwohner die Bürgermeisterin oder den Bürgermeister direkt ins Amt wählen. SPD-Amtsinhaber Ingo Kurth gewann mit überzeugenden 54% der Wählerstimmen und wurde als hauptamtlicher Bürgermeister zugleich auch Verwaltungschef im Rathaus. Ritterhudes Einwohner schenkten uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten insgesamt großes Vertrauen: Die SPD gewann mit 16 Sitzen erneut die absolute Mehrheit im Rat.

 

Bürgermeister Ingo Kurth 1995 – 2001

Die Neuordnung der Befugnisse führte zugleich zur Stärkung der Bürgermeisterposition und der politischen Bedeutung der Fraktionen im Rat. Die SPD-Fraktion unter Führung von Jörg Fitzer reagierte mit einem zukunftsweisenden Reformvorschlag für die Arbeit im Gemeinderat: Reduzierung auf nur vier Fachausschüsse. Das erlaubte eine klar erkennbare Struktur der Arbeitsfelder des Rates und eine stärkere Aufgabenkonzentration und Kompetenzerweiterung der Ratsmitglieder. Eine damit verknüpfte Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit und eine effektivere Arbeitsweise in der Verwaltung war gut geeignet, den erhöhten Anforderungen an eine moderne Kommunalverwaltung gerecht zu werden.   

Die Arbeit konzentrierte sich zunächst auf die Fortführung begonnener Vorhaben, dann auf die partnerschaftliche Arbeit an europäisch kofinanzierten Projekten aller Art zum Vorteil der Ritterhuder Lebensqualität, auf die effizientere Nutzung, Verwaltung und örtliche Anordnung der öffentlichen Einrichtungen im Ort – verbunden mit notwendigen baulichen Sanierungen – und schließlich auf die Umsetzung der Agenda 21 und die Förderung von Gewerbe und Wohnen zur Stärkung der Steuerkraft.          

Der SPD-Ortsverein unter Leitung von Jürgen Kuck veranstaltete 1999 eine interessante öffentliche Veranstaltung zum 50.Jahrestag des Grundgesetzes und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung im Ort.  

 

Jürgen Kuck, SPD-Fraktionsvorsitzender Gemeinderat Ritterhude

Kommunalpolitisch wurde der Umbau der Mehrzweckhalle zum heutigen Veranstaltungszentrum vollzogen, Straßen saniert, ein Wochenmarkt entstand, Kooperationen mit benachbarten Versorgungsbetrieben vorbereitet und eine Gewerbeschau ins Leben gerufen. Es wurde ein Sanierungskonzept für und von der Ritterhuder Feuerwehr erarbeitet, die Planung für einen Flächennutzungsplan bis 2020 aufgenommen und mit der Öffentlichkeit erörtert, das Wohngebiet „Dicker Orth“ begonnen, die bauliche Sanierung des Rathauses vollzogen und vieles mehr.  Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern wurde ein Leitbild für Ritterhude entwickelt und die Gemeinde auf den Weg ins 21. Jahrhundert geführt. In kurzer Zeit wurde unglaublich viel geleistet auf das Ritterhude heute noch baut – ein großer Gewinn für die Lebensqualität im Ort!

icht alle konnten oder wollten dieser rasanten Entwicklung auf diesem Weg folgen. Es gab seitens der politischen Mitbewerber teils massive Proteste und auch persönliche Angiffe. Politisch genutzt wurden dabei sicher auch Fehler, die den Verantwortlichen unterliefen. Vielleicht waren die Schritte in die Zukunft auch zu schnell, zu dynamisch und haben überfordert. Im Ergebnis jedenfalls wurden wir Sozialdemokraten bei den Wahlen 2001 abgestraft: Ingo Kurth verlor die Stichwahl um das Bürgermeisteramt gegen den CDU-gestützten Bewerber Giselher Klinger. Die Fraktion büßte fünf ihrer Mitglieder ein.   

In den folgenden fünf Jahren versuchte Bürgermeister Klinger mit Unterstützung insbesondere einer Wählergemeinschaft die kommunalpolitische Situation neu zu formen. Die SPD schloss ein Kooperationsabkommen mit den Grünen – insgesamt siegte am Ende auf allen Seiten die Bereitschaft zu konstruktiver Arbeit im Interesse der Bürgerinnen und Bürger und unserer Gemeinde. Die Entwicklung des Ortes schritt voran, eine Reihe notwendiger Erneuerungen wurden in Angriff genommen und schon 2006 mussten sich Bürgermeister Klinger und seine Mannschaft einer neuen Wahl stellen.

Die SPD hatte sich gut vorbereitet auf diese Wahl: Erstmals stellte sich eine Sozialdemokratin zur Wahl, die mit ihrer Kompetenz und persönlichen Ausstrahlung hervorragend geeignet war eine ausgezeichnete Bürgermeisterin zu werden. Susanne Geils suchte das persönliche Gespräch mit jeder Familie in der Gemeinde. Letztlich gelang ihr durch einen außergewöhnlich überzeugenden persönlichen Wahlkampf der Einzug ins Rathaus als neue Bürgermeisterin. Auch die SPD-Fraktion gewann wieder zwei Sitze dazu. Obwohl es nicht für eine Mehrheit im Rat reichte, war der politische Gestaltungsauftrag damit an uns Sozialdemokraten zurück gekommen.

 

Bürgermeisterin Susanne Geils, seit 2006

 

Neuer Vorsitzender des Gemeinderates als Ratspräsident  wurde mit Hinnerk Heidhoff ein verdienstvolles Mitglied der SPD-Fraktion, der am Ende seines Lebens über 40 Jahre dem Rat angehörte. Der neuen Bürgermeisterin Susanne Geils und der Fraktion unter Leitung von Jürgen Kuck ist es bis heute gelungen, ihren Aufgaben mit großer Verantwortung gerecht zu werden. Dazu gehört auch ihre offene Bereitschaft zu guter Kooperation mit allen Ratsmitgliedern und den Menschen im Ort. So erreichte die Fraktion 2011 und 2016 jeweils wieder 13 Ratsmandate und 2014 konnte die Bürgermeisterin bei ihrer Wiederwahl sich gleich im ersten Wahlgang gegen drei Mitbewerber durchsetzen und ihre Amtszeit für dann insgesamt fünfzehn Jahre bis 2021 sichern. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sind voller Freude über diese Situation und begleiten unsere Ratsmitglieder weiter mit Ideen und Vorschlägen und Werbung für ihre und unsere Arbeit in vielfältiger Form.  

Wir wissen es sehr zu schätzen, dass es seit 2006 gelungen ist, die Schulden der Gemeinde auf ein vertretbares Maß zu reduzieren, die vorschulische Kinderbetreuung in Krippen, Kindergärten, Spielkreisen und Horten ebenso auszubauen wie das schulische Angebot mit einer Ganztagsbetreuung und mit der Oberstufe des Gymnasiums. Endlich konnte die städtebauliche Sanierung des Ortszentrums nahezu vollendet und durch den Bau der neuen Ortsmitte abgerundet werden. Ortsteilsbezogene „Dorfgemeinschaftshäuser“ sind jetzt gut in Schuss, die Gewerbeansiedlung boomt, der Wohnungsbau hat neue Perspektiven, das Vereinsleben und Kulturangebot wird gut angenommen. Der Freizeit- und Erholungswert unserer Gemeinde ist hoch. Die verkehrliche Erschließung braucht sicher noch weitere zukunftsfähige und nachhaltige Verbesserungen, die Integration von Neubürgern ist auf gutem Weg. Das soziale Engagement vieler Menschen ist beispielhaft und große Anerkennung wert.

Zu unserer Politik tragen in ganz besonderem Maße auch immer wieder viele engagierte Frauen im Ortsverein bei. Einige von ihnen haben über viele Jahre den Ortsverein geleitet, im Vorstand verantwortungsvolle Ämter übernommen oder sich in der Kommunalpolitik Verdienste erworben. Zu ihnen gehört insbesondere Isolde Scherer. Sie war u.a. Ortsvereinsvorsitzende und stellvertretende Bürgermeisterin. Andere Frauen haben die Arbeit der SPD in befreundeten Organisationen wie der AWO maßgeblich unterstützt.

 

Stellvertretende Bürgermeisterin Isolde Scherer 1996 – 2015

 

Ein besonderes Vorbild für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten bleibt ein Mitglied unserer Partei, die der SPD und ihren Gliederungen mehr als 90 Jahre die Treue hielt: Luise Nordhold aus Ihlpohl. Sie war zu ihrer Zeit bundesweit das älteste Mitglied der SPD.  Sie war Teil der Jugendorganisationen der SPD, Mitbegründerin des Ortsvereins und der AWO im heutigen Ritterhuder Ortsteil Ihlpohl und Ratsfrau im Ihlpohler Gemeinderat. Kurz nach Ihrem 100.Geburtstag ehrte sie der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil persönlich mit einer Urkunde für ihr unvorstellbar langes Eintreten für sozialdemokratische Grundwerte – auch und gerade in schwierigen Zeiten. Luise Nordhold starb 101jährig im Jahr 2018 – wir werden ihr Andenken stets in Ehren halten.

Wer mehr über sie lesen möchte, den verweisen wir auf diesen Beitrag oder auf das Buch „Für Freundschaft, Solidarität und soziale Gerechtigkeit – Luise Nordhold – Biografie einer Sozialdemokratin 1917-2017. Mit einem Geleitwort von Hans Koschnick“ (ISBN 978-3-938275-87-0, Donat Verlag).

 

Luise Nordhold, 2011

 

Wir Ritterhuder Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten haben seit 111 Jahren einen bemerkenswerten Anteil an der positiven Entwicklung unserer Gemeinde. Heute sind wir aus vielen Schichten der Gesellschaft Mitglieder in unserer Partei, und arbeiten auf allen Ebenen für die sozialdemokratischen Grundwerte. Wir freuen uns über die öffentliche Unterstützung unserer Ideen, und gerade auch über die engagierte Arbeit unserer jüngsten Mitglieder bei den Jungsozialisten.

Zweimal konnten sich Mitglieder des Ortsvereins auch bei bedeutenden überregionalen Wahlen durchsetzen: Friedrich Verholen war von 1959 bis 1967 Landtagsabgeordneter und Arne Börnsen mit vier Jahren Unterbrechung von 1980 bis 1998 Bundestagsabgeordneter aus unserer Gemeinde. Ihnen und allen Mitstreitern sagen wir Dank und unsere große Anerkennung für ihre Arbeit für die Menschen vor Ort.

Wir wollen mit Blick auf unsere Vorgängerinnen und Vorgänger den Weg fortsetzen und hoffen auch in den kommenden Jahren auf die Zustimmung zu unserer Politik für die Menschen vor Ort – zu einer Politik der sozialen Gerechtigkeit, des Friedens und der Sicherheit, der Vernunft und der Verständigung.

 

Ritterhude und die SPD – eine gute Verbindung für eine europäische Gemeinde mit Zukunft!